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CORIAN Bibliographisches Lexikon

Der österreichische Science Fiction-Autor, literarische Agent, Anthologist und Übersetzer Helmuth Wilhelm Mommers wurde am 16. November 1943 in Wien geboren. Zur SF kam er über die frühen Pabel-Heftromane (damaliger Lieblingsautor: Clark Darlton). Im Gymnasium - damals war sein Lieblingsautor A. E. van Vogt - ging er mit Arnulf Dieter Krauß gemeinsam zur Schule, der ebenfalls schon früh sein Interesse an dieser Literaturgattung gefunden hatte. Gemeinsam mit ihm bekam er den Kontakt zum Wiener Fandom, in dem zu dieser Zeit der SF-Club Austrotopia tonangebend war, der 1963 im Science Fiction Club Deutschland aufging (Lieblingsautor dieser Zeit war Theodore Sturgeon). Er wurde regelmäßiger Mitarbeiter an dem Club-Magazin Pioneer, beginnend mit Nummer 3 vom März/April 1961, in der seine erste Story, "EXPR...", veröffentlicht wurde. Weitere Stories folgten noch im gleichen Jahr: Alles was dein Herz sich wünscht, Todesstrafe und Meteore, die das Talent dieses Jungautors erkennen ließen. Unter dem Pseudonym Arol erschienen seine Zeichnungen in der Folge in Pioneer und anderen Magazinen der Fanszene. Und von der Ausgabe 8 von Pioneer bis zur Nummer 16 war er ständiger Redakteur dieses renommierten Fan-Magazins und übersetzte auch etliche dort veröffentlichte Kurzgeschichten ins Deutsche.

1962 lernte Mommers, der gerade mit seinem Freund Arnulf Dieter Krauß die Arbeiten an dem dreiteiligen SF-Zyklus Der Zorn der Götter - er besteht aus den in sich abgeschlossenen Geschichten Tantalus, Die Danaiden und Sisyphus, wobei von letzterer 1964 eine überarbeitete Version der ersten Hälfte mit neuem Schluß als Finale für Mr. Synclisst erschien - begonnen hatte, im SF-Club den Fan-Autor Ernst Vlcek kennen, und sie vereinbarten, eine Zusammenarbeit zu versuchen. Die ersten Ergebnisse dieser Kollaboration waren Ein Tropfen Schicksal (unter Pseudonym Esther Maria Schreyer), Traumpalast, Wenn trügerisch Besuch kommt (alle 1963) und Arenenspiel (1964). (Korrektur: Erste Story war Traumwelt, 1962). Dabei ließen sie die Geschichten, die jeder solo geschrieben hatte, vom Kollegen nochmals überarbeiten und veröffentlichten das Ergebnis unter beider Namen. 1963 machte sich Mommers selbständig, gründete zusammen mit (Korrektur: zuerst) Arnulf Dieter Krauß und (Korrektur: später) Kurt Luif die Literarische Agentur PANORAMA und war bis 1966 hauptberuflich als Schriftsteller, Übersetzer und Herausgeber tätig.

Eine seiner ersten Erfolge als Agent war es, 1964 eine Storysammlung an Günter M. Schelwokat zu verkaufen: Das Problem Epsilon. Noch im gleichen Jahr folgte eine weitere Collection, Treffpunkt der Mutanten, die sieben Stories präsentierte. Danach wandten sich Mommers und Vlcek dem Roman zu. 1965 konzipierten und veröffentlichten sie die aus den Einzelbänden Sturm über Eden 13, Die Schockwelle, Die Psycho-Waffe und Agenten des Galaktikums bestehende Tetralogie Das Galaktikum, das die Bildung des Planetenverbandes des Galaktikums als Folge einer äußeren Bedrohung zum Thema hat: "Wir wollen hier annehmen, daß durch Unverständnis eine neue Variation des Imperialismus heraufbeschworen wird. Und es liegt nahe, daß von den Unterdrückten der falsche Weg zur Gleichberechtigung gegangen wird; die Geschichte lehrt es. Die Vorzeichen eines galaxisweiten Krieges machen sich bemerkbar, begründet durch die Unreife des Menschen. (Mensch steht hier für alle galaktischen Wesen.) Wenn es soweit ist, dann bedarf es wahrscheinlich eines Anstoßes von außen, eines fremden Einflusses, der die Einigkeit bringen kann: den Grundstein für ein Galaktikum! Es müssen nicht, so wie hier, Bestien sein, die die Prüfung für die Galaxis stellen - die kompromißlosen Rooun sollen nur als Prototyp der Gefahr gelten, die der Mensch überwinden muß, will er nicht untergehen. (Rooun steht für Gefahr.) Und um dieser Gefahr wirksam entgegenwirken zu können, müssen sich alle galaktischen Völker vereinen. Einigkeit macht stark. Einigkeit ist aber auch ein wesentlicher Schritt zur Reife. Und wenn man an den Menschen glaubt, dann ist es nicht unwahrscheinlich, daß er diese Reifeprüfung besteht."

Im gleichen Jahr erschien in der Reihe "Heyne Anthologien" auch die erste von insgesamt neun Anthologien, die Mommers gemeinsam mit Arnulf Dieter Krauß zusammenstellte und die bahnbrechend waren. Mit ihnen - besonders mit den drei Bänden, die die Anthologie der Berühmten bilden ("Heyne Anthologien" 17, 20 und 23) - wurden neue Maßstäbe gesetzt. Nie zuvor war der deutsche Leser mit einer solchen Fülle an Spitzenstories, verbunden mit Informationen über die vorgestellten Autoren konfrontiert worden. Unter anderem deshalb gehört gerade dieser Anthologien-Zyklus auch heute noch zu den wichtigsten Meilensteinen in der Entwicklung dieser Literaturgattung im deutschsprachigen Raum. Daß sie einen guten Riecher für künftige Entwicklungen hatten, bewiesen die beiden Herausgeber darüber hinaus mit zwei (Korrektur: drei) Horror-Anthologien, die den Boom der beginnenden siebziger Jahre auf diesem Sektor vorwegnahmen.

1969 begann Mommers eine kaufmännische Laufbahn in der Schweiz. Er ließ sich zum EDV-Spezialisten ausbilden und war bis 1977 auch in dieser Funktion tätig. Seither ist er selbständig und betreibt zwei Juweliergeschäfte. Wohnsitze hat er in St. Gallen, in Davos und auf Mallorca (Bendinat) aufgeschlagen. Seit 1967 ist er nicht mehr in Sachen SF tätig - nur noch als Sammler. Sein Ausstieg aus dem SF-Betrieb war ein großer Verlust für die deutsche Science Fiction.

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